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Kieren Hutchison
- FRAGEN & ANTWORTEN EXKLUSIV-INTERVIEW (2001)

Fragen & Antworten mit Kieren Hutchison

Siehst Du Dir Deine eigenen Serien/Filme an?
Nicht sehr oft. Ich neige dazu, mir das Material während der Dreharbeiten anzusehen, um zu sehen, in welchen Bereichen ich mich verbessern muß. Die meisten Schauspieler, mit denen man spricht, sagen, daß sie es hassen sich selbst anzusehen, was ich verstehen kann, aber ich nehme gerne Abstand davon, es als ich zu betrachten und versuche von meiner Darstellung zu lernen. Was für mich funktioniert, was nicht. Es macht auch Spaß, wenn etwas Zeit vergangen ist, ich habe ein wenig William Tell gesehen, als ich in England war, gute zwei Jahre nachdem wir die Dreharbeiten beendet hatten und das war komisch! Ich hatte so viel vergessen und war in der Lage es sehr viel unvoreingenommener anzusehen.

Hattest Du, während Du in Europa warst, Gelegenheit eine Deiner Serie synchronisiert zu sehen? Wenn ja, was war das für ein Gefühl, Dich selbst in einer fremden Sprache reden zu hören?
Leider nein. Wie ich sagte, ich habe es in England gesehen, aber nirgendwo sonst. Das wäre wirklich interessant. Ich hoffe nur, daß ich nirgends eine total unpassende Stimme habe... hoch und piepsig oder so, weißt Du? Was ich wirklich liebend gerne sähe, wäre Die Robinsons auf japanisch, anscheinend wurde das gemacht.

Sprichst Du irgendwelche anderen Sprachen?
Nein. Ich habe nebenbei ein wenig Deutsch gelernt, weil ich wirklich meine Zeit dort genossen habe, aber ich bin nicht sehr weit gekommen!

Wenn man Dich fragte, wärst Du bereit Deine Stimme einer Zeichentrickfigur zu leihen oder an einem Audiobuch zu arbeiten?
Ja, sicher. Ich liebe eine guten Zeichentrickfilm, also wäre ich dafür immer sofort zu haben.

Hast Du ein Vorbild? Wenn ja, wen und warum?
Niemand im besonderen, obwohl ich mich gern auf Dinge beziehe, die ich in Biographien von Schauspielern und Entertainern, die ich bewundere, gelesen habe. Man schnappt genauso viele Dinge auf, die man nicht tun sollte, wie Dinge, nach denen sich zu streben lohnt.

Gibt es einen Schauspieler/eine Schauspielerin mit dem/der Du gerne zusammenarbeiten würdest?
Da gibt es einige. Ich mag Billy Crudup und George Clooney. Cameron Diaz oder Cloe Sevigny oder Susan Sarandon wären auch toll.

Gibt es einen Regisseur mit dem Du gerne zusammenarbeiten würdest?
Die drei größten wären Steven Soderbergh [Traffic, Erin Brockovic, Out of Sight], Cameron Crowe [Almost Famous, Jerry Maguire, Singles] und George Lucas [Star Wars, Indiana Jones Willow].

Würdest Du irgendwann selber gerne Regie führen?
Im Moment habe ich in diesem Bereich keinerlei Ambitionen. Schauspielern ist so ziemlich die einzige Aufgabe, die ich am Drehort machen will. Ich könnte mich wohl eher als Produzent sehen, denn als Regisseur.

Was gefällt Dir in einem Drehbuch, wonach suchst Du Dir Deine Rollen aus?
Im Moment gar nicht! In diesem Stadium meiner Karriere gehe ich immer noch zu sehr vielen Vorsprechen und nehme, was ich kriegen kann. Hoffentlich ist es eine Rolle, die ich zu spielen weiß und zu der ich etwas Neues bringen kann. Ich freue mich wirklich darauf, nun etwas Neues zu machen, mehr erwachsen, weg vom Fantasy und Familiengenre. No One Can Hear You war ein Schritt in diese Richtung, obwohl ich im Idealfall wirklich gerne bis ans Äußerste gehen würde.

Gibt es einen Charakter, den Du gerne spielen würdest oder einen Film, in dem Du gerne mitwirken würdest (Drehbuch/Geschichte, von dem/der Du gehört hast oder Neuverfilmung eines alten Films)?
Spontan fällt mir kein Charakter oder Neuverfilmung ein, obwohl ich Ambitionen habe in irgendeiner Art von schillerndem, historisch korrekten, epischen Film mitzuwirken! Ich denke, es ist Zeit für einen wirklich guten Piratenfilm, ohne alle Klischees, weißt Du? Ich habe immer die Geschichte der Meuterei auf der Bounty geliebt, obwohl der schon bis zum abwinken verfilmt wurde. Wie toll war dieser Film von 1984, stell' Dir vor, diese Darstellerriege heute zusammen zu bringen? Mel Gibson, Anthony Hopkins, Liam Neeson und Daniel Day Lewis. Aber ich schweife ab...

Wie würdest Du Dich selbst beschreiben?
Ich würde sagen, ziemlich unbekümmert, eine typische Waage! Optimistisch und wißbegierig, ein wenig unentschlossen. Ich liebe Bücher und Reisen.

Hast Du ein Lieblingsgenre?
Nicht wirklich, ich bin Fan von ein paar verschiedenen Arten. Ich mag wirklichkeitsnahe, realistische Dramen, aber auch gut gemachte Abenteuer oder Action Geschichten (obwohl es davon nicht sehr viele gibt). Ich liebe eine gute Komödie, aber mehr als Zuschauer, ich habe keine großen Ambitionen in einer mitzuwirken.

Hast Du einen Lieblingsfilm?
Ich bin nicht sicher, ob ich einen habe. In der Vergangenheit habe ich Jäger des Verlorenen Schatzes genannt und das stimmt auch immer noch, aber ich mag auch Out of Sight, Pulp Fiction, Jerry Maguire und Tiger & Dragon. Ich bin außerdem ein großer Fan von älteren Filmen wie The Young Lions, 12 Uhr Mittags, Der Spion der aus der Kälte kam und der Originalverfilmung von Psycho. Also, ich schätze, das sind ganz schön viele Favoriten, was?

Hast Du einen Lieblingsautoren / ein Lieblingsbuch?
Mein Lieblingsautor ist eindeutig Elmore Leonard. Seine Bücher lesen sich wie Filme und mindestens zwei gute Verfilmungen basieren auf Romanen von ihm - Out of Sight und Schnappt Shorty. Ich liebte Die Regeln des Glücks des Dalai Lama und ich habe die Biographien vieler großartiger Schauspieler gelesen, die mich sehr inspiriert haben. Es gab eine Buchserie, die ich gelesen habe, als ich jünger war. Die ersten beiden Serien von Drachenlanze, die Chroniken und die Legenden. Die waren ziemlich cool. Wenn sie die je verfilmen würden, würde ich mir gerne einen Bart stehen lassen und Tanis den Halbelfen spielen! Alles ist jedoch dem Herrn der Ringe ziemlich ähnlich, also liegt es wahrscheinlich in weiter Ferne, wenn es überhaupt je gemacht würde.

In Young Hercules hast Du Orpheus als eine Art Rockstar dargestellt. Könntest Du Dir das als eine alternative Karriere für Dich vorstellen?
Absolut könnte ich mir das als alternative Karriere vorstellen, das wäre irre! Leider wird das wohl in meiner Vorstellung bleiben, da ich weder singen noch ein Instrument spielen kann... Ich bin ein riesiger Fan von Elvis Presley, also liebe ich die Vorstellung, ein Rocker zu sein.

Welche Art von Musik magst Du?
Rock und Funk. Ich bin mit dem modernen Zeug nicht so ganz auf dem Laufenden, aber ich mag Fatboy Slim und Robbie Williams. Meine Klassiker sind Elvis, George Michael, die Bee Gees, Dean Martin und Bruce Springsteen.

War es schwierig für Dich, den alten Schreibstil für die Einträge in Ernsts Tagebuch für Die Robinsons zu lernen?
Ja, dazu bedurfte es etwas Übung. Ursprünglich sollten es die Hände des Mannes sein, der es mir letztendlich beibrachte, aber er war sehr viel älter als ich und seine Hände waren bedeutend größer und behaarter als meine!

Wie war die Zusammenarbeit mit K.C. Kelly? Für gewöhnlich sind diejenigen, die die besten Schurken darstellen, im wirklichen Leben sehr nett. Gilt das auch für ihn?
Ich habe sehr wenig Zeit mit K.C. verbracht, weil er die meisten seiner Szenen mit Gareth Howells (Ben) hatte. Es ist witzig, weil ich ursprünglich für die Rolle von Ben engagiert worden war, also hätten die Dinge auch sehr viel anders laufen können. Du hast jedoch recht, er ist ein netter Mann der keinerlei Ähnlichkeit mit dem Miststück Parsons hat.

Wie kam es dann, daß Du Ernst gespielt hast?
Eigentlich war die ursprüngliche, ursprüngliche Besetzung für die Rolle von Ben mein Freund Dean O'Gorman. Die Dreharbeiten für Die Robinsons überschnitten sich mit dem ersten Pilotfilm von Young Hercules, also lehnte er die Rolle ab. Sie boten sie mir an und ich hatte gerade bei Shortland Street aufgehört, also sagte ich ja. Nach dem Vorsprechen fiel den Produzenten wohl eine gewisse Ähnlichkeit zwischen mir und Mr Richard Thomas auf, also kamen sie auf die Idee, die Rolle von Ernst mit mir zu besetzen, der bis dahin ein jüngerer Charakter, so um die 15, hätte sein sollen. Es war damals ein wenig verwirrend, aber Gareth Howells wurde als Ben dazugeholt und dann ging's los.

Wie war die Zusammenarbeit mit Richard Thomas?
Phantastisch, er ist jemand, den ich sehr bewundere. Ich erinnere mich an ihn in Die Waltons, meine Mama hat sich das immer angesehen. Er ist in all den Jahren ein guter Freund geblieben. Wann immer ich nach Los Angeles gehe, besuche ich ihn und seine Familie noch immer. Er unterstützt mich sehr dabei, Arbeit in den Staaten zu bekommen und ich habe viel von ihm gelernt.

Wie war die Zusammenarbeit mit Andrew Binns? Als Lord Xax war er ja ziemlich extravagant.
Eine weitere Person, die sich von dem üblen Charakter unterscheidet. Ich traf Andrew zum ersten Mal, als ich ein unerfahrener 18-jähriger in Shortland Street war. Dort hatte ich nicht sehr viel mit ihm zu tun, aber während Tell haben wir uns sehr angefreundet. Es war typisch für Andrew, an die Grenzen der Xax Figur zu gehen. Er war auf dem Papier nicht annähernd so eigenwillig, also war es eine mutige Entscheidung ihn mit einem britischen Akzent und so übertrieben zu spielen. Es hat jedoch funktioniert und brachte der Dynamik der Serie sehr viel.

War es schwierig für Dich, drei verschiedene Ausgaben von William Tell in der Folge Doppelgänger zu spielen? Du hat es sehr gut gemacht!
Danke. Das war ein langer Tag! Die Szenen in der Höhle am Ende der Folge wurden bis zum Ende der Dreharbeiten aufgehoben, also war ich der einzige Schauspieler am Drehort und mußte nach jeder Aufnahme schnell das Kostüm wechseln. Das war der schwierigste Teil - diese großen schweren Kostüme 20 Mal an und aus zu ziehen! Aber es hat auch Spaß gemacht, mein Bruder Daimen war der über-die-Schulter Will Tell (seinen Rücken zur Kamera), er trug eine anstößige blonde Perücke, also war er es, dem ich meinen Text aufsagte.

Machst Du gerne Deine eigenen Stunts?
Ja, ich mache liebend gern so viel wie möglich. Die Kämpfe machen sehr viel Spaß, das ist das Beste an Abenteuerrollen. Andrew Binns und ich hatten eine tolle Zeit mit diesem vorletzten Schwertkampf in Tell. Es gibt immer einen Zeitpunkt, an dem man jemanden einspringen läßt, der wirklicht gut ist, um die schwierigen/gefährlichen Dinge zu tun, aber ich bin immer für so viel wie möglich zu haben.

Was war bislang Deine beste Schauspielerfahrung?
Meinen eigenen Actionhelden in Tell zu erschaffen steht ganz oben, obwohl ich den geheimnisvollen Robert in No One Can Hear You als eine nette Herausforderung empfand. Im Großen und Ganzen jedoch habe ich noch an keinem Projekt gearbeitet, auf das ich uneingeschränkt stolz bin - sei es in Bezug auf meine Schauspielerei oder die gesamte Qualität des Projekts. Das liegt noch vor mir, wenn ich weiß, daß ich mich wirklich erprobt habe und ich weiß, daß der Film oder das Fernsehspiel selbst eine Qualitätsarbeit ist.

Was war bislang Deine schlimmste Schauspielerfahrung?
Ich habe keine furchtbaren Erfahrungen gemacht, aber ich weiß, daß einige Folgen von Die Robinsons und Tell nicht optimal waren und die ganze Riding High Sache war für mich kreativ gesehen nicht sonderlich interessant, aber hey, das ist Haarspalterei! Ich hatte an allen Drehorten, an denen ich gearbeitet habe, Spaß und diese Serien sind, was sie sind. Wie ich bereits sage, ich freue mich darauf, mit immer besser werdendem Material zu arbeiten.

Irgendwelche abschließenden Worte?
Ich möchte einfach danke sagen, für all die Briefe und E-Mails, die ich von Leuten erhalten habe, denen diese Serien gefallen haben. Ich weiß diese Unterstützung sehr zu schätzen und ich bin davon überwältigt, daß überhaupt Interesse an Webseiten wie dieser besteht! Ich freue mich wirklich auf meine zukünftigen Projekte und darauf, die Dinge auf die nächste Ebene zu bringen, also, schaut weiterhin zu und hoffentlich werden wir irgendwo hingelangen, wo es interessant ist.*


Exklusiv-Interview für kierenhutchison.de

18: Juli 2001 © kierenhutchison.de
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Kieren Hutchison